Du kannst alles sein, was du willst

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Kennst du das auch von dir, dass du dich in einem unsicheren Moment fragst:

 

Bin ich okay so, wie ich bin?

 

Manchmal schliesst sich noch eine weitere Frage an, nämlich:

 

Darf ich so sein, wie ich bin?

 

Mir kommen beide Fragen aus meinem eigenen Leben sehr bekannt vor. Und sie können sich auf alle möglichen Bereiche im Leben beziehen. Auf deine beruflichen Wünsche und Visionen, deine Gefühlswelt, deine Charaktereigenschaften, …

Während sich die erste Frage, meiner Ansicht nach eher darauf bezieht, ob du dich selber als okay empfindest, zielt die zweite darauf ab, ob du für deine Aussenwelt so, wie du bist, akzeptabel bist.

Der entscheidende Unterschied ist, dass du selbst daran arbeiten kannst, dich selbst okay zu finden. Das kann zwar harte Arbeit bedeuten, je nachdem, wie man gerade zu sich steht, aber es ist definitiv machbar.

Hingegen von seiner kompletten Aussenwelt als «in Ordnung» wahrgenommen zu werden, ist unmöglich, machen wir uns nichts vor. Unsere Ansichten, Meinungen und Geschmäcker sind so verschieden, wir können gar nicht jedem und jeder gefallen.

Also lasst uns doch aufhören es überhaupt zu versuchen. Es macht einfach keinen Sinn und der Versuch doch allen zu gefallen, macht unglücklich, weil du selber, genau wie deine eigenen Bedürfnissen dabei auf der Strecke bleiben.


 

Berufswünsche

Ich hatte früher einen Schulfreund, der Musiker werden wollte und ich weiss noch, wie Mitschüler ihn und seinen Wunsch nie ernst genommen haben und ich dachte mir immer: «Lasst ihn doch in Ruhe, das ist sein Traum, er wird seinen Weg gehen». Ich habe es nie verstanden, wieso man diesen Wunsch nicht ernstnehmen kann.

Ich habe meine Vision früher auch immer rausgehauen, einfach weil ich so für sie gebrannt habe und ich sah keinen Grund, sie nicht zu teilen. Heute sehe ich es ein bisschen anders.

Ich finde es immer noch super, wenn Leute ihre Visionen und Wünsche offen teilen, ich für mich bin allerdings vorsichtiger geworden. Meine Visionen behandeln ich mittlerweile wie einen Schatz und dementsprechend kennt heute neben mir nur noch eine weitere Person, nämlich mein Lover, meine Visionen.

Ich will sie auf diese Weise vor Kritik oder Bedenkenträgern schützen. Lieber möchte ich Schritt für Schritt meiner Vision «abarbeiten» und sie so nach und nach für die Aussenwelt ersichtlich machen. Sie sind mir einfach zu wichtig, als dass ich riskieren wollen würde, dass mir jemand erzählt, aus welchen Gründen meine Visionen nicht umsetzbar sind.

Doch auch, wenn ich heute sehr vorsichtig mit meinen Visionen geworden bin, finde ich, sollten wir in unserer Gesellschaft einen Rahmen schaffen, in dem Menschen für ihre («aussergewöhnlichen») beruflichen Wünsche und Visionen nicht belächelt, sondern unterschützt und dafür anerkannt werden.

Es ist doch viel mehr Mut von Nöten, um sich hinzustellen und zu sagen: «Ich werde Rockstar» als zu sagen «Ich werde Kindergärtnerin». Beides ist cool und für keinen der beiden Berufe sollte man belächelt werden.


Wer bin ich, die Berufswünsche einer anderen Person durch Kommentare oder mein Nicht-Ernstnehmen abzuwerten?


Ich möchte kein Teil einer Gesellschaft sein, in der alles Andersartige durch Belächeln oder Kommentieren direkt oder indirekt versucht wird, niederzumachen. Wenn wir das tun, werden wir doch nach und nach zu einer grossen grauen Masse, die versucht durch Ablehnung dessen, was ein bisschen Farbe in die Gesellschaft hineinbringen würde, das Aufkommen von Neuem und Kreativem zu unterdrücken. Das kann doch nicht das Ziel sein, oder?

Neben dem Belächeln und Kommentieren, gibt es auch noch die Bedenkenträger. Die die jede Vision, jede neuartige Idee erst einmal mit Sätzen wie: «Das hat aber noch nie jemand gemacht» oder «Das wird niemals funktionieren» ablehnen. Sicher, auf dem Weg der Erfüllung der eigenen Vision wird neben Höhenflügen auch mit Tiefschlägen zu rechnen sein, klar. Aber deswegen höre ich doch nicht schon vorher auf, bevor ich überhaupt angefangen habe.

Ich denke, hätten alle grossen und einflussreichen Personen immer auf ihre Kritiker gehört, dann hätte es bis heute keine Mondlandung gegeben, wir würden keine kleinen Computer in unseren Taschen tragen, die sich Handys nennen und Barack Obama wäre niemals in den Wahlkampf um die Präsidentschaft der Vereinigten Staaten getreten. Um nur einige Beispiele zu nennen.

 

Nur weil es noch nie jemand vor dir gemacht hat, muss dich das nicht abhalten.

Dann bist du halt der Erste / die Erste!

 

Mein musikalischer Schulfreund lebt heute übrigens von seiner Musik. Cool, oder?

Allerdings finde ich auch, dass es völlig okay ist, wenn sich eine ursprüngliche Vision verändert oder ganz durch eine neue ersetzt wird. So ist doch das Leben. Manche Visionen bleiben und werden mit der Zeit nur noch detaillierter, je näher wir ihrer Erfüllung kommen und andere werden komplett ersetzt.

Wer bin ich, dieses Ersetzen der Vision durch eine neue nun als Versagen zu interpretieren?

Wir gehen alle unseren Weg und wir alle wissen, wie schnell sich Pläne mitunter ändern können. Und manchmal erkennen wir einfach, dass etwas, das wir für uns als das grösste Ziel aller Zeiten angesehen haben, doch gar nicht so gut zu uns passt. Wenn das der Fall ist, halten wir ja nicht krampfhaft an einer Vision fest, nur weil wir Peter mal in der 10. Klasse erzählt haben, dass wir Baggerfahrerin werden wollen.

 

Menschen verändern sich und Visionen tun das eben auch.


 

Gefühle

Alle Gefühle gehören meiner Meinung nach zum Menschsein dazu und sind völlig legitim. Natürlich sind wir alle lieber glücklich als traurig oder wütend, doch nichtsdestotrotz sind auch die für uns eher unangenehmen Gefühle, wie Wut oder Trauer, wichtige Empfindungen.


Wie sonst würden wir angenehme Gefühle, wie Freude oder Zuversicht als solche wahrnehmen, wenn wir nie Trauer oder Hoffnungslosigkeit erlebt hätten.


Mein Eindruck ist allerdings, dass uns die Gesellschaft gelegentlich vermitteln will, dass nur manche Gefühle in Ordnung sind, die positiven nämlich. Doch es gibt eben nicht nur positive Vibes und so lange man nicht nur in seinen negativen Gefühlen festhängt, ist doch alles in Ordnung. Die unangenehmen, wie die angenehmen Gefühle gehören doch dazu und wollen gefühlt werden. Wir sollten sie nicht unterdrücken.

Wenn ich negative Gefühle bei mir selber erkenne, dann lasse ich sie für einen Moment ganz bewusst zu und werde mir klar darüber, warum es mir nicht gut geht. Hat man sich vergegenwärtigt, wieso man sich schlecht fühlt und sich vielleicht einen Lösungsansatz zurechtgelegt, wie eine belastende Situation aufzulösen ist, dann ist es zumindest für mich langsam an der Zeit das unangenehme Gefühl loszulassen und mich wieder dem Positiven zu öffnen.

Wenn Frauen schlecht drauf sind, heisst es oftmals, sie seien «zickig». Diese Bezeichnung fand ich schon als kleines Mädchen echt uncool. Gesellschaftlich gesehen, würde ich sagen, gibt es für die schlechte Laune von Jungen und Männern keinen speziellen Ausdruck, sie sind einfach schlecht gelaunt, Mädchen hingegen sind «zickig». Für mich vermittelt dieses Wort eine Abwertung der negativen Gefühle von Frauen und Mädchen.

Ich frage mich, ob ein Mädchen nicht auch einfach mal schlecht gelaunt sein darf, ohne dass es als eine Eigenart der Frauenwelt dargestellt wird. Ich finde es schade, dass dadurch der Eindruck vermittelt wird, dass Mädchen und Frauen von der Gesellschaft am liebsten lachend und lächelnd gesehen werden.

Natürlich, wir sind alle am liebsten happy. Doch auch wir Frauen sollten mal schlecht drauf, traurig oder wütend sein dürfen, ohne dass diese Emotionen unter «Zickereien» zusammengefasst und mit diesem Stempel versehen auch nicht wirklich ernst genommen werden.

Gleichzeitig kann ich nicht verstehen, wieso Jungen durch Sprüche, wie «Ein Indianer kennt keinen Schmerz» von der Gesellschaft darauf trainiert werden, nicht zu weinen. Denn bis zum 13. Lebensjahr weinen Jungen und Mädchen ungefähr gleich viel. Danach ändert sich dies. Meiner Meinung nach wird auf diese Weise ein Gefühlsausdruck abgewöhnt, um langfristig vermeintlich starke Männer aus der Gesellschaft hervorzubringen.

Für mich ist allerdings fraglich, wie das Unterdrücken einer menschlichen Emotion Männer in irgendeiner Form stärker machen soll. In meiner Welt sind Männer nicht stärker, weil sie ihre Tränen unterdrücken können, im Gegenteil. Ich finde Menschen stark, die zu sich und ihren  Emotionen stehen.

Das Gute ist, wir sind die Gesellschaft. Damit haben wir es in der Hand und können Schritt für Schritt eine Veränderung herbeiführen.


Wir können wütende Frauen in ihrer Wut ernstnehmen und weinende Männer für ihre Stärke, auch als Mann Gefühle zeigen zu können, obwohl es von vielen als unmännlich angesehen wird, schätzen.


 

Charakter

Für Charakterzüge gilt ähnliches.

Zu starke Frauen mit einer Meinung gelten schnell als Emanzen und Männer, die ihre Gefühle zeigen oder sogar über diese sprechen, werden nicht selten als Weicheier abstempelt.

Bei mir kommt in diesem Zusammenhang immer eine Frage auf. Nämlich:

 

In welchem Gesetzbuch steht, dass Frauen keine Meinung und Männer keine Gefühle haben dürfen?

 

Und wenn es dieses Gesetzbuch geben sollte, würde ich sagen, wäre es an uns und an der Zeit, diese Gesetze schnellstens zu verändern.


Früher habe ich mich oft gefragt, was ich denn nun eigentlich bin: Stark oder sensibel? Heute weiss ich, ich muss mich nicht entscheiden.

Ich bin beides.


Es ist kein Entweder-Oder. Wo wir uns stark oder sensibel zeigen, hängt doch vor allem von der jeweiligen Situation, in der wir uns befinden und von den Menschen, die uns umgeben, ab.

 

Manchmal möchten wir unsere wahren Emotionen nicht zeigen, um vielleicht für jemand anderen stark zu sein.

Manchmal lassen wir all unsere Emotionen raus, weil wir wissen, dass uns unser Umfeld auffangen wird.

Manchmal beissen wir uns auf die Zunge und halten unsere eigene Meinung zurück, weil wir wissen, dass es nicht der richtige Ort oder die richtige Zeit dafür ist, sie zu offenbaren.

Manchmal treten wir lautstark für unsere Meinung ein, weil wir wissen, dass die Welt sie hören muss.


 

Sei was & wie du willst

Sei die Person, die du sein möchtest. Zeig die Gefühle, die du zeigen möchtest, offenbare deinen wahren Charakter, unabhängig von Geschlechterstereotypen, wenn dir danach ist und lebe deine (berufliche) Vision, egal was die Leute sagen.


Denn du bist okay, mehr als okay, so wie du bist.


Wie schon zuvor gesagt: Wir sind die Gesellschaft und dadurch haben wir mehr Einfluss als wir vielleicht mitunter meinen.

Wir können es möglich machen, dass wir uns alle ohne Scham, so wie wir sind, zeigen können. Nämlich dann, wenn wir einen Rahmen erschaffen, indem man keine Angst mehr vor Verurteilung haben muss.

Lasst uns daher einen gesellschaftlichen Rahmen voller Liebe, Anerkennung und Respekt erschaffen, in dem verschiedenste Visionen, Charaktereigenschaften und Gefühle willkommen sind.

Lasst uns den Mut belohnen, wenn jemand offen zu seinen Visionen steht. Denn man braucht in der Regel so viel mehr Eier/Eierstöcke, um zu den eigenen Visionen zu stehen, wenn diese vom Mainstream abweichen.

Lasst uns dem vermeintlich Fremden, dem Andersartigen mit einem offenen Geist begegnen. Genau so, wie wir wünschten, man würde auch uns begegnen.

 

Wir können sein, was und wie wir wollen.

Sei es und lass es andere sein.

 

Was meinst du zu dem Thema? Nimmst du dich und andere schon in ihrem ganzen Sein an?

 

Lass es mich gerne in den Kommentaren wissen!

 

 

Alles Liebe,

 

Deine Anna