Dein Körper hat eine Geschichte

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Jeder einzelne Körper erzählt Geschichten, manchmal kleine Anekdoten und ein anderes Mal wichtige Lebensweisheiten. Diese kleinen und grossen Spuren des Lebens führen uns vor Augen, dass wir keine Roboter sind. Sie stellen unsere Erinnerungen an etwas sehr Menschliches dar: Unsere Vergänglichkeit.

Während mich Narben aus meiner Kindheit daran erinnern, wie viel Spass ich beim Spielen und Toben hatte, ruft mir eine andere Narbe aus meinen Mittzwanzigern ins Gedächtnis, dass es meine Verantwortung ist, darauf zu achten, mich nicht immer über alle Maβe zu verausgaben, meine Bedürfnisse ernst zu nehmen und sie nicht hinten anzustellen.

Ich finde, es ist eine schönere Art mit vermeintlichen Makeln umzugehen, nämlich sich an die Geschichte hinter ihnen zu erinnern oder daran, was wir im Zusammenhang mit ihnen gelernt haben statt unseren Körper dafür zu verurteilen, dass er Geschichten erzählt und das Leben nicht spurlos an ihm vorbeigeht.


 

Dein Körper spricht zu dir

Doch nicht nur unser flächenmässig grösstes Organ, unsere Haut, spricht zu uns, sondern auch der Rest unseres Körpers. Wir haben nur leider vergessen, hinzuhören, was unser Organismus uns sagen möchte.

 

Wenn du Bauchschmerzen hast, dann frage dich in zu Zukunft wirklich einmal:

Was schlägt mir gerade auf den Magen?

 

Wenn du Kopfschmerzen hast, frage dich:

Was bereitet mir Kopfzerbrechen?

 

Wenn dir übel ist, du dich übergeben musst, dann frage dich:

Was kotzt mich gerade sprichwörtlich an?

 

Wenn du Schmerzen hast, die von dir erfordern, dass du dich komplett aus deinem Alltag herausziehst, dann frag dich:

Wovor in meinem Alltag will mich mein Schmerz gerade bewahren?

 

Sich diese Fragen zu stellen, mag im ersten Moment vielleicht befremdlich auf dich wirken, aber doch nur, weil wir verlernt habe, auf unsere Körper zu hören. Wenn wir allerdings anfangen wieder hinzuhören und hinzuschauen, eine Antwort auf die jeweilige Frage finden und die Ursache unserer Symptome aus der Welt schaffen, dann werden wir merken, wie sich unsere Gesundheit und unser Leben zum Positiven wenden.

Wenn unsere Körper mal über einen längeren Zeitraum mit gesundheitlichen Problemen, ganz gleich ob mit einer Erkältung, einem Hautauschlag oder viel schwerwiegenderen gesundheitlichen Beschwerden zu kämpfen haben, finde ich es sehr wichtig sie nicht dafür zu verurteilen oder sauer auf sie zu  werden.

Denn mal ganz ehrlich, der menschliche Körper ist schon ein ziemlich krasses Teil und es wäre doch ziemlich unfair, ihn darauf zu reduzieren, dass auch bei ihm mal etwas nicht perfekt läuft. Und mit dem, was nicht so gut läuft, weist er uns ja sogar netterweise noch daraufhin, dass für ihn gerade etwas nicht ganz optimal läuft, damit wir es dann verändern können.


Er sagt uns:

Du, die neue Gesichtscreme ist nicht so cool, von der kriege ich Hautausschlag. Könntest du bitte wieder die alte benutzen?

Oder:

Ich fühle mich gerade etwas antriebslos, könntest du vielleicht ein bisschen mehr schlafen, weniger Junk Food essen und dich mehr bewegen?

 

Die Frage ist nur: Tun wir das?


Hören wir auf unseren Körper oder kompensieren wir beispielsweise unsere Antriebslosigkeit und Müdigkeit mit Kaffee und Energy Drinks? Oder wenn es schwerwiegendere Probleme sind, verändert wir dann wirklich etwas an unserem Lebensstil oder werfen wir „einfach“ ein paar Pillen ein, um das Problem oder seine Symptome zumindest für den Moment zu lösen?

Ich habe das Gefühl, viele von uns nehmen lieber die Medikamente anstatt wirklich etwas im eigenen Leben zu verändern oder etwas für die eigene Gesundheit zu tun. Ein Grund dafür ist sicher die eigene Bequemlichkeit, denn es scheint verlockend, die eigenen gesundheitlichen Probleme durch ein paar Pillen zu „lösen“ und den bisherigen Lebensstil beibehalten zu können. Gleichzeitig ist es natürlich viel entspannter dadurch die Verantwortung für die eigene Gesundheit an den Arzt/die Ärztin abzugeben.

Wir sind zu bequem, wenn du mich fragst. Dabei kann sich unser Körper, ein geiles Gerät, wie er eben ist, mit ein bisschen Unterstützung von uns, in vielen Fällen ohne den grossen Medikamentencocktail, selber regenerieren.

Und statt den eigenen Körper für seine Imperfektion zu verurteilen, könnten wir ihn fragen:

 

Was kann ich für dich tun, damit es dir wieder besser geht?

 

Wir können ihm gut zureden, gedanklich oder verbal, und ihm sagen:


Es ist okay, dass es dir gerade nicht so gut geht.

Nimmt dir die Zeit zu heilen, die du brauchst.

Ich kümmere mich um dich.

 

Das ist doch wohl das Mindeste, was wir tun können, oder?

Ich meine, da wird uns dieser wunderbare Körper geschenkt und wir werden sauer auf ihn, wenn er mal nicht zu 100% pariert. Dabei funktioniert er die meiste Zeit über so gut, nur fehlt uns leider oft das Bewusstsein und die Dankbarkeit für die eigene Gesundheit. Diese wird uns erst wieder bewusst, wenn wir krank werden und mal etwas nicht so optimal am eigenen Körper funktioniert.

 

Mehr als nur eine Hülle

Bis vor ein paar Jahren habe ich meinen Körper vor allem auf seine Äusserlichkeiten reduziert, ihn je nach Zahl auf der Waage bewertet und wirklich schlecht mit ihm geredet. Ich habe ihn übel behandelt und war immer in einer Art Erwartungshaltung ihm gegenüber als würde er mir irgendetwas schuldig sein. Dabei war doch ich diejenige, die nur von ihm nahm und nur selten gab.

Ich gab meinem Körper zu wenig Nahrung, verlangte ihm zu viel Sport ab, trank Alkohol, habe ihn tagtäglich mit hohen Schuhen gequält und mich selbst im tiefsten Winter zu dünn angezogen. Summa summarum war ich wohl die grösste Gegnerin, die mein Körper jemals hatte.

Dabei gab es doch schon immer so viel, wofür ich ihm hätte danken können. Das habe ich allerdings erst vor ein paar Jahren begriffen.

 

Am Ende holt sich der Körper immer, was er braucht

Heute verstehe ich auch nicht mehr, wie ich all die Jahren mit eindeutig zu wenig Nahrung, wie selbstverständlich, von meinem Körper die volle Leistungsfähigkeit erwarten konnte. Ich vergleiche mein Verhalten von damals immer gerne mit folgendem Beispiel.

Wenn ich dir sagen würde, dass ich heute mit dem Auto von Luzern nach Hamburg fahren möchte und dafür mit der Hälfte der Tankladung, die man normalerweise benötigen würde, auskommen möchte, dann würdest du mir vermutlich klarmachen wollen, dass das nicht funktioniert.

Und du hättest Recht. Natürlich funktioniert es nicht, weder bei Autos, noch bei Menschen. Nur viele von uns tun genau das, um abzunehmen oder dünn zu sein oder es zu bleiben. Wir tun dies auf Kosten unserer Gesundheit, definitiv.

Heute kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass man nicht hungern muss, um abzunehmen. Ausserdem wer hungert, weiss, der nächste Essanfall wird kommen und weder das Hungern, noch die Essanfälle sind gut für unsere Gesundheit.

Zudem möchte ich an dieser Stelle noch ergänzen, dass Essanfälle nichts mit deinem zu „schwachen“ Willen zu tun haben. Es ist einfach nur die Art und Weise auf die dein Körper, dem du den nötigen Umfang an Nahrung verweigerst, in einer konzentrierten Form die Kalorien, die du ihm verweigerst, oder noch mehr, kompensiert.

Ich weiss heute, wer genug und gesund isst, hat keine Essanfälle. Das nach 11 Jahren Essstörung sagen zu können, ist ein grosses Glück für mich. Mittlerweile weiss ich auch, dass mein Körper mir diese Essanfälle nicht geschickt hat, weil er mich sabotieren wollte, im Gegenteil, er wollte mich retten und zumindest ein wenig von dem Mist kompensieren, den ich gebaut habe.

 

Heute weiss ich aus tiefstem Herzen und mit Gewissheit:

 

Dein Körper ist immer für und niemals gegen dich.

 

Liebeserklärung an den menschlichen Körper

Ich glaube, man hat im Laufe des Artikels herausgehört, was für ein Fan ich von dem krassen Teil, das sich Körper nennt, bin. Der menschliche Körper ist so stark, so robust und gleichzeitig so sanft und zerbrechlich.

Ausserdem kann in ihm ein kleiner Mensch heranwachsen – Ist das allein nicht schon ein einziges grosses Wunder?

Ich glaube, wir sollten anfangen, unsere Körper wieder anfangen als das anzusehen, was sie sind, nämlich Wunder.

Wir sollten anfangen, unseren Körpern Gutes zu tun, denn sie haben nichts anderes als das verdient. Sie arbeiten jeden Tag für uns und tun die meisten Dinge, ohne dass wir ihnen dabei überhaupt helfen müssen.

Was wir allerdings tun sollten, ist, auf sie aufzupassen, sie gut zu behandeln und ihnen jeden Tag dankbar zu sein.

Ich kann dir nur empfehlen, diese Dankbarkeit regelmässig sehr bewusst zu praktizieren, zum Beispiel im Rahmen einer Meditation. Seit einiger Zeit horche ich selber täglich sehr bewusst in meinen Körper hinein und sagen ihm:


Ich bin da, ich kümmere mich um dich.

Ich danke dir, dass du immer für mich da bist und mir so viel Gutes tust, obwohl ich dich so viele Jahre so mies behandelt habe.

Danke.


Du kannst diese Mantren natürlich auf deinen Körper, auf deine Geschichte anpassen. Wichtig ist nur, dass du es tust. Denn dein Körper ist nicht von dir abgekapselt, er brauchst genauso Liebe, Verständnis, Aufmerksamkeit und Zuneigung, wie dein Herz, dein Geist und deine Seele.

Du darfst deinen Fokus darauflegen, deinen Körper zu lieben, ihn zu heilen, ihm Gutes zu tun und ihn nicht auf seine äussere Hülle, auf seine Schönheit zu reduzieren.


Denn dein Körper ist doch so viel mehr als nur ein Instrument, das dir ermöglicht dein Leben zu leben, Erfahrungen zu machen oder schön auszusehen, er ist dein Zuhause.

 

Wie behandelst du deinen Körper? Behandelst du ihn schon, wie dein Zuhause, ehrst du ihn schon, wie ein Wunder oder bist du noch im Widerstand, im Kampf mit ihm?

Wenn du noch im Kampf bist, ist auch das okay, dann lass dies hier ein Wendepunkt für dich und deinen Körper sein und fange an, ihn zu lieben und zu behandeln, wie er es eigentlich verdient hat.

 

Lass mich deine Erfahrungen gerne in den Kommentaren wissen.

 

Alles Liebe,

Deine Anna